8. November 2008 Artikel im Neuen Deutschland

Emanzpation ist kein Selbstläufer

Von Barbara Höll

Im Windschatten von Obamamania stimmten die Bürger Kali­forniens für ein Verbot der Ho­mo-Ehe, damit wurde die gegen­teilige Entscheidung des Verfas­sungsgerichts vom Juni dieses Jahres revidiert. Dies nachdem bereits 10 000 homosexuelle Paare die Ehe eingingen. Das Beispiel USA zeigt deutlich: Wer meint, dass die Emanzipation ein Selbstläufer ist, der irrt. Emanzipation fällt weder vom Himmel (auch nicht durch pro­gressive Gerichtsurteile) noch kann man sich sicher sein, dass ein einmal getätigter Fortschritt Bestand hat. Die gilt ebenso we­nig für die hiesigen Verhältnisse. Die eingetragene Partnerschaft (sprich: Homo-Ehe) ist entgegen der landläufigen Meinung mit­nichten vergleichbar mit der Ehe.    Sie    ist    gekennzeichnet durch viele Pflichten und wenig Rechte. Es fehlen das gemein­same Adoptions- und Sorgerecht für Kinder, zudem bestehen gravierende Nachteile im Steuer- und Erbschaftsrecht. Seit Jahren weigern sich die deutschen Ge­richte, die eingetragene Partner­schaft der Ehe gleichzustellen und verweisen auf den besonde­ren Schutz der Ehe. Sie berufen sich dabei auf Art. 6 Abs. 1 des Grundgesetzes. Damit stagniert die Gleichstellung seit vielen Jahren, und Grundrechte, die heterosexuelle Paare selbstver­ständlich haben, werden Men­schen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verweigert.


Auch ist es mitnichten so, dass die Akzeptanz der Homo­sexualität stetig zunimmt. Das gebräuchlichste Schimpfwort an deutschen Schulen lautet: schwul. So kam die Simon-Stu­die aus dem Jahr 2006 zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der befragten Berliner Schüler zwei sich küssende Männer als ekelig empfindet. Da verwundert es nicht, wenn homosexuelle Ju­gendliche ein dreifach höheres Selbstmordrisiko haben. In den letzten Wochen hat es in Berlin zahlreiche und zum Teil brutale Überfälle auf Lesben und Schwule gegeben. Dies wider­spricht dem trügerischen Schein, den CSD-Paraden, »Quatsch Comedy Club«, Hape Kerkeling und Daily Soaps mit den zahlreichen lesbischen und schwulen Darstellern vermitteln. Es zeigt sich, dass die einmal errungene Teilhabe und Eman­zipation kein gesellschaftlicher Selbstläufer ist, sie muss ständig neu erkämpft werden.

Die Autorin ist Sprecherin für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Linksfraktion im Bundestag.