Das Vorwort zum Ausstellungskatalog zur Benefiz-Ausstellung von Studierenden der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu Gunsten der AIDS-Hilfe Leipzig e.V.
Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. Seine Arbeit entsagt nicht, sie ist ins Gelingen verliebt statt ins Scheitern. Ernst Bloch
Ernst Bloch stand für das Hoffen auf eine andere Welt. In dem großen philosophischen Werk „Das Prinzip Hoffnung“, hält er den Glauben an den Menschen um den Menschen hoch. „Dreams of a Better Life“ - dies war der Arbeitstitel von „Das Prinzip Hoffnung“ - ist der Titel der Ausstellung der hier präsentierten Fotografien der Studierenden der Hochschule für Graphik und Buchkunst. Die Hoffnung in den Bezug zur Immunschwächekrankheit HIV zu setzen, ist bemerkenswert.
HIV-Positiv zu sein bedeutet heutzutage nicht, schnell an der Krankheit AIDS zu sterben. Aufgrund der Weiterentwicklung der Medikamente leben Menschen mit dem HI-Virus und der Erkrankung AIDS bedeutend länger. AIDS ist zu einer chronischen Erkrankung geworden. Deswegen sprechen wir vom „Neuen AIDS“.
Schwule Männer sind die Hauptbetroffengruppe der Immunschwächekrankheit. Mehr als 60 % der Neudiagnosen betreffen schwule Männer in Deutschland. Die Zahl der Neudiagnosen steigt wieder an. Etwa 80.000 Menschen leben mit HIV/AIDS, dies sind fast zehnmal mehr als vor 10 Jahren. Auch heute bedeutet ein positives Testergebnis soziale Stigmatisierung. Viele der Betroffenen sind auf soziale Unterstützung angewiesen.
Die sozialen Kürzungen im Tenor des neoliberalen Zeitgeists haben Menschen mit HIV/AIDS noch stärker an den gesellschaftlichen Rand gedrängt. Und schwule Männer werden weiterhin gesellschaftlich diskriminiert. Doch Diskriminierung begünstigt steigende Infektionszahlen, wohingegen die Akzeptanz der sexuellen Vielfalt die HIV-Prävention stärkt. Dies ist die Quintessenz nach 25 Jahren Aidshilfearbeit.
Wir hoffen auf den medizinischen Fortschritt. Doch dies ist nicht genug. Hoffnung bedeutet Arbeit, gesellschaftliche. Ich wünsche uns gemeinsam viel Erfolg bei der Förderung der Akzeptanz sexueller Vielfalt und der sozialen Integration von Menschen mit HIV/AIDS, so dass HIV-positive Menschen ihr Leben selbstbewusst in Angriff nehmen und sagen können: „Ich lebe mein Leben.“
Dr. Barbara Höll
Vorsitzende des Vereins der Bundestagsfraktion DIE LINKE e.V.