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Geboren am 26. Dezember 1957 in Coswig/Anhalt; konfessionslos; geschieden, zwei Söhne, eine Tochter.
1976 Abitur. 1976 bis 1981 Studium der Philosophie an der staatlichen Rostower Universität, Rostow am Don, UdSSR. 1981 bis 1990 wissenschaftliche Assistentin an der Handelshochschule Leipzig, 1988 Promotion.
1990 bis 2002 Mitglied des Bundestages, danach bis 2004 arbeitslos, Erziehungszeit. 2004 bis 2005 direkt gewählte Landtagsabgeordnete des Freistaat Sachsen.
Seit 2005 Arbeitskreisleiterin für Wirtschaft, Arbeit und Finanzen und steuerpolitische Sprecherin, sowie die lesben- und schwulenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE.
1976 bis 1990 Mitglied der SED, seit 1996 Mitglied der PDS, seit Juni 2007 DIE LINKE.
Mitglied des Bundestages 1990 bis 2002 und seit 2005.
20.04.2009


Steuerexpertin der LINKEN Barbara Höll zwischen Politik und Privatleben.
Es ist abends, kurz nach acht. Mitten im Gespräch schaut Barbara Höll auf die Uhr. »Ich hab’ ja noch einen Termin. Der ist heilig.« Und schon ist sie draußen vor der Tür. Das Handy am Ohr. Ihr Termin hat einen Namen: Emilia, die sechsjährige Tochter, zu Hause in Leipzig. Immer wenn in Berlin im Bundestag die Sitzungswoche angesagt ist, und davon gibt es immerhin 22 im Jahr, dann gibt es den Gute-Nacht-Kuss und das Reden über die tausend kleinen Kinderdinge eben nur am Telefon. Das geht, weil Freunde da sind. Und es geht gut, erzählt Barbara Höll. Sie ist alleinerziehend. Ausgesucht hat sie sich das nicht. Emilias Vater war schon weg, bevor die Tochter geboren wurde. Emilia hat zwar noch zwei große Brüder, die aber sind schon aus dem Haus. Mutter sein, Alltag zwischen Kindergarten und Abendbrot, dazwischen Termine, immer auf Achse. Für eine Politikerin ist das nicht die schlechteste Schule, schmunzelt die promovierte Philosophin. Besonders wenn man Gleichstellungspolitik macht. Das erste Mal zog Barbara Höll 1990 in den Bundestag ein. Damals noch in Bonn und damals noch für die PDS. Ganze 17 Hanseln waren wir, erzählt sie. Exoten aus dem Osten, die im etablierten Regierungsviertel nicht ernst genommen wurden. Das war harte Arbeit, sich Respekt zu verschaffen. Das ging nur über Kompetenz, durch klug formulierte Anfragen und Anträge und durch die sachliche Mitarbeit in den Ausschüssen. Mittlerweile leitet Barbara Höll den Arbeitskreiskreis für Wirtschaft, Arbeit und Finanzen in der Bundestagsfraktion DIE LINKE und sie ist deren steuerpolitische Sprecherin. Dabei ist sie von Hause aus Geisteswissenschaftlerin! War es die Zahlenmagie oder der Ehrgeiz, Steuervereinfachung auch auf einen Bierdeckel zu bannen? »Steuern sind spannend«, sagt die 51-Jährige, »und die Philosophie ist genau richtig dafür. Denn Philosophie stellt immer die Grundfragen. Was bedeuten Steuerentscheidungen für den Alltag? Du hinterfragst einfach immer die Folgen. Das ist wichtig für Entscheidungen, nicht das reine Zahlengeflecht.« Und Steuern gehen jeden an. Sie greifen tief ins Getriebe. In die Wirtschaftskreisläufe, bei den Kommunen, privat. Und damit ist Barbara Höll auch schon bei ihrer nächsten Verantwortung, der Lesben- und Schwulenpolitik. Von Steuergleichheit kann hier zum Beispiel gar keine Rede sein. Schwule und Lesben dürfen sich zwar »verpartnern«, wie es neudeutsch heißt, das Ehegattensplitting aber ist für sie tabu. Tabu sind im Bundestag auch immer noch schmerzhafte Erfahrungen aus der Geschichte. Noch viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mit Hilfe des §175 unglaublich viele Männer verurteilt. In der alten Bundesrepublik etwa 50-tausend, in der DDR dreitausend. Ihnen wurde Lebenszeit gestohlen, sie wurden gedemütigt, kriminalisiert, stigmatisiert. Für ihre Sexualität. Das weiß man heute eigentlich – oder besser, man könnte es wissen, sagt Barbara Höll. Diese Männer müssen rehabilitiert werden. DIE LINKE hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Das allein ist für andere Abgeordnete fast schon Frevel. Kein Zuhören, kein Nachdenken. Ein »dickes Brett«, an dem Barbara Höll eben weiter bohrt. Geduldig, aber konsequent. So versteht sie ihren Job. Ich muss nicht, ich will Abgeordnete sein. Denn Veränderung ist möglich.
Gisela Zimmer
Linke Politik ist nur so gut, wie sie es schafft, Einfluss zu nehmen auf die gesell-schaftlichen Verhältnisse. Menschen machen Politik und Menschen verändern Politik. Manchmal wirken die gesellschaftlichen Verhältnisse versteinert. Um diese zum Tanzen bringen, bedarf es Menschen, die Mut haben sich ihres Verstandes zu bedienen. Ich möchte Ihnen und uns Mut machen. Denn es lohnt sich gerade in diesen turbulenten Krisenzeiten, die Stimme zu erheben. Auch meine parlamentarische Arbeit bedarf der Kreativität und des Engagements von vielen Menschen, damit gesellschaftlicher Druck zur Veränderung entsteht. Es lohnt sich aktiv zu werden.
Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es Alternativen zur Politik der Umverteilung von unten nach oben und zur Sozialisierung der Verluste der Banken gibt. Soziale Gerechtigkeit ist keine Phrase. Soziale Gerechtigkeit und eine aktive Gleichstellungspolitik stehen mehr denn je auf der Tagesordnung. Es gilt auch zu verhindern, dass die Solidarität zwischen alten und neuen Bundesländern aufgekündigt wird und Frauen an den Herd geschickt werden. Ich will gemeinsam mit möglichst vielen für eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums streiten.
Eine gerechte Steuer- und Finanzpolitik tut not. Die Einführung einer Millionärssteuer, die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und die Umwandlung des Ehegattensplittings wären Bausteine für eine gerechtere Republik.
Es gilt Politik zu gestalten und Alternativen aufzuzeigen. Dies haben zuletzt die Leipziger Bürgerinnen und Bürger bewiesen, als sie dem Verkauf der Stadtwerke eine deutliche Absage erteilten. Hieran müssen wir gemeinsam anknüpfen, denn wir benötigen mehr denn je ein gerechtes Steuersystem und damit eine Verteilung des Reichtums von oben nach unten, eine deutliche Erhöhung des Kindergeldes und den Umbau der Rentenversicherung zu einer solidarischen Bürgerversicherung. Hierfür streite ich, gemeinsam.